Chronik des Männergesangvereins 1853 Süchteln-Vorst
1853 - 2003
Vorgeschichte
Ein Rückblick auf 150 Jahre bewegter und erfolgreicher Vereinsgeschichte lässt naturgemäß auch die Frage nach einem äußeren Anlass für die Gründung aufkommen. Das Aufblühen des Chorgesanges und die Entstehung zahlreicher Männerchöre in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist untrennbar mit dem Namen Carl Friedrich Zelter (1758 – 1832) verbunden. Geboren in Berlin als Sohn eines Maurermeisters und Bauunternehmers und lange Jahre Leiter des väterlichen Unternehmens, widmete er daneben seine große Liebe der Musik. Nach Erlernen des Klavier-, Geigen- und Orgelspiels trat er der 1791 gegründeten Berliner Singakademie bei und schuf eigene Kompositionen, wozu er die Fähigkeit von deren Leiter Fasch erwarb. Nach dessen Tod führte Zelter ab 1800 die Singakademie. Ein epochemachendes Ereignis war 1809 Zelters Gründung der Berliner Liedertafel, einer Sangesgenossenschaft von zunächst 24 Männern – als der zündende Funke für Beginn und Ausbreitung des Männergesangs.
Zelters Persönlichkeit und Genius werden auch dadurch deutlich, dass er Freund und musikalischer Berater Johann Wolfgang von Goethes (1749 – 1832) war, zu dessen Texten er 75 Lieder komponierte. Seine Schüler waren unter anderem Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 – 1847) und Otto Nicolai (1810 – 1849).
Zelter war unermüdlich tätig, das bisher berufsmäßig organisierte Musikbildungswesen durch bürgerliche Musikvereine insbesondere in der Chormusik zu ergänzen. Der Erfolg seines Schaffens zeigte sich in der Gründung zahlreicher Singschulen und Chöre im ganzen Land. In Würzburg fand 1845 das 1. Deutsche Sängerfest statt.
Vor diesem Hintergrund sind die ersten Gründungen von Männergesangvereinen am Niederrhein schon kurze Zeit später zu sehen. Zu den ältesten Chören gehört der MGV 1853 Süchteln-Vorst.
Der Beginn
In Süchteln-Vorst taten sich 1853 einige junge Männer zusammen, um wie anderenorts in dieser Zeit einen Männerchor zu gründen. Nicht allein die Freude an Musik und mehrstimmigem Chorgesang waren das Motiv, sondern auch die Möglichkeit, Entspannung und Erholung im geselligen Sängerkreis nach einer harten Arbeitswoche zu finden. Einer der Gründer namens Hermann Hoeren, aus dem Arbeiterstand kommend und später als Weber tätig, übernahm die Leitung und wurde erster Dirigent. Er muss über eine hervorragende musikalische Begabung verfügt haben, denn er führte den Verein schon im Gründungsjahr zum ersten öffentlichen Auftritt bei der feierlichen Einweihung des Missionskreuzes der St. Maria Empfängnis-Bruderschaft, das in der Wiese des Landwirts Schmeetz errichtet wurde – am heutigen Standort der St. Franziskus-Kirche.
Hermann Hoeren verstand es, mit nicht nachlassendem Eifer seine Sänger stimmlich zu entwickeln und den Chor voranzubringen. Die erarbeiteten Fähigkeiten ermöglichten es bald, auch an anderen Orten aufzutreten. So wurde an den Sängerfesten 1864 und 1866 in Vorst, 1872 in Hinsbeck, 1875 in Oedt, St. Tönis und Viersen, 1879 in Süchteln und Kempen mit Erfolg teilgenommen. Das 25jährige Jubiläum des jungen Chores war 1878 ein festliches Erlebnis für die ganze Sektion.
Gründer und 1. Chorleiter Hermann Hoeren
Dass nicht allein die Pflege des Chorgesanges und die Bewahrung des Liedguts als Aufgabe des Vereins verstanden wurden, sondern auch das soziale Engagement für die Nöte anderer einen hohen Stellenwert hatte, begleitet die ganze Chorgeschichte. So ist berichtet, dass am 15. April 1882 vom MGV zu Gunsten der Notleidenden in der Eifel ein Wohltätigkeitskonzert in Süchteln-Vorst veranstaltet wurde, das einen Reinertrag von 120 Mark brachte.
Krankheitshalber musste Hermann Hoeren die Chorleitung im gleichen Jahr aufgeben. Es gelang, den seit 1873 in Süchteln-Vorst als Hauptlehrer tätigen Robert Piekarek zu verpflichten, der am 18. Juni 1882 den Dirigentenstab übernahm. Hermann Hoeren wurde zum Präsidenten und Ehrendirigenten ernannt. Der Verein hatte zu diesem Zeitpunkt 19 Sänger. Die Stabführung des neuen Dirigenten begann mit der Vorbereitung des 30jährigen Jubiläums des MGV, das am 29. Juli 1883 unter Beteiligung von 12 Vereinen gefeiert wurde. Höhepunkt war die Weihe einer Fahne. Die guten Leistungen konnten unter der Leitung von Robert Piekarek fortgesetzt werden.
Als in den folgenden Jahren auf Initiative der St. Maria Empfängnis-Bruderschaft die Sektion mit einer Kapelle geschmückt werden sollte, fühlte der Verein sich selbstverständlich verpflichtet, bei der Realisierung dieses Zieles mitzuwirken. Überliefert ist eine Konzertveranstaltung im Jahr 1885, deren Reinerlös für den Kapellenbau zur Verfügung gestellt wurde.