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Der Wiederaufbau

 

Mit dem Waffenstillstand am 8. Mai 1945 endete der furchtbare Krieg. Beim Einmarsch der amerikanischen Truppen am 1. März 1945 in Süchteln-Vorst und durch die folgende Besetzung war unersetzliches Vereinsgut, wie die Vereinsfahne von 1903, Sängerkette und Wettstreitpreise abhanden gekommen sowie Klavier, Notenschrank und Noten zerstört worden. Das Oberkommando der alliierten Streitkräfte hatte sämtliche Vereinstätigkeiten  verboten. Chormitglieder, die das Kampfgeschehen überlebt hatten, befanden sich in Kriegsgefangenschaft, teilweise noch für Jahre.

 

Als das Vereinsverbot von den Alliierten im September gelockert wurde, gingen die schon aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrten und die in der Heimat verbliebenden Mitglieder trotz Not und Entbehrungen daran, die Chortätigkeit wieder zu ermöglichen. Nachhaltiger Aufbauwille und opfervoller Einsatz halfen, die vielen Schwierigkeiten zu überwinden. Der frühere Chorleiter Hermann Lücker war zurückgekehrt und stellte sich unentgeltlich zur Verfügung. Bald wurden die Proben mit 28 Sängern wieder aufgenommen. Weitere aus der Gefangenschaft Heimkehrende kamen hinzu und unterstützten die begonnene Arbeit.

 

Der Chorleiter Hermann Lücker legte mit unermüdlichem Schaffensdrang die wesentliche Basis für das Gelingen des Wiederaufbaus. Er ging in der Sektion von Haus zu Haus, warb für die Sangestätigkeit beim MGV und führte dem Verein zahlreiche junge und neue Mitglieder zu. Der große Erfolg seiner Arbeit zeigte sich in der Zahl von 45 aktiven Sängern im November 1945.  Hermann Lücker meint dazu in der von ihm verfassten Kriegschronik zur Generalversammlung am 1. Dezember 1945: „Das Stimmmaterial ist gut und gibt Veranlassung zu großen Hoffnungen für die Zukunft.“  Damit sollte er recht behalten! Er schließt mit den Worten:

 

„Es ist nun das zweite Mal in einem Menschenalter, dass der MGV 1853 infolge eines Krieges seine Tätigkeit einstellen und nach Beendigung desselben wieder neu beginnen musste. So schwer auch die Zeiten für uns deutsche Menschen heute sind, verzagen wollen wir nicht. Gemeinsam wollen wir wieder aufbauen. Eine Stunde der Erholung finden wir im MGV 1853! Im deutschen Liede wollen wir uns gemeinsam erquicken und mit dem deutschen Liede unseren Mitmenschen Stunden der Entspannung bringen.“

 

Die Generalversammlung fand wieder unter der gegenüber der Vorkriegszeit unveränderten Leitung statt. 1. Vorsitzender war Peter Schroers, 2. Vorsitzender Peter Förster. Sie haben zusammen mit dem Chorleiter Hermann Lücker durch ihre aufopferungsvolle Tätigkeit in dieser schweren Zeit zusammen mit den anderen Vorstandsmitgliedern und allen Sängern unvergängliche Verdienste für die Rettung und den Fortbestand des Vereins erworben.

 

Nicht vergessen werden darf auch die Hilfe der passiven Mitglieder und Förderer, die zum Wiederbeginn beigetragen haben. Von besonderer Bedeutung waren das Protektorat von Mathias Clemens und nach seinem Tod von seinem Sohn Peter Clemens. Ihnen allen gebührt der Dank der Heutigen.

 

Getreu dem Leitwort des Chorleiters, das deutsche Lied zu pflegen und dadurch anderen Menschen Stunden der Freude und Entspannung zu bringen, trat der Chor zum ersten Mal nach dem Kriege am 22. April 1946 in der Turnhalle des St. Irmgardis-Stiftes Süchteln an die Öffentlichkeit. Es wurde ein Konzert für die dort untergebrachten verwundeten Soldaten gegeben. Am 28. Mai 1946 folgte ein weiteres Konzert im Krankenhaus. Durch die Fortsetzung einer intensiven Mitgliederwerbung, an der sich alle Sänger beteiligten, konnte der Verein sich Mitte 1946 über 72 aktive Sänger, nahezu gleichmäßig auf alle Stimmen verteilt, freuen.

 

Für die Verwundeten und Kranken des Deutschen Lazaretts Süchteln wurde am 7. Juli 1946 ein Morgenkonzert aufgeführt. Als größtes Konzertereignis des Jahres folgte ein Morgenkonzert für die Flüchtlinge, die in Süchteln untergebracht waren. Es fand am 21. Juli 1946 im überfüllten Capitol-Theater Süchteln unter Teilnahme von 70 Sängern und den Solisten Bariton Karl Lenders vom MGV, der Sopranistin Käthe Klette-Drenkers vom Stadttheater Krefeld und am Flügel Musikdirektor Karl Seepe statt. Von diesem Konzert ist der Programmzettel erhalten.

 

 

Das Konzert war ein Aufsehen erregender Erfolg und die Presse berichtete über den MGV:

 

 

„Der in so kurzer Zeit geschaffte Wiederaufbau mit so hervorragendem Material und die Qualität dieses Chores beansprucht uneingeschränkte Anerkennung. Es ist ungewöhnlich, in welch einer kurzen Zeit sich hier ein Chor einer Landgemeinde in den Vordergrund schiebt.“

 





Es fanden nun wieder regelmäßig Konzertveranstaltungen statt. Neben Frühjahrs- und Herbstkonzerten gab der MGV mehrere Sonderkonzerte zugunsten von Kranken und Verwundeten, Kindern in der orthopädischen Landesklinik, Körperbehinderten und Sozialrentnern. Seinem Anliegen, notleidenden und benachteiligten Menschen Stunden der Freude und Ablenkung von ihren Nöten zu schenken, standen die eigenen Sorgen der Sänger gegenüber. Der Chorleiter berichtet hierzu in der Jahreshauptversammlung am 25. Januar 1948:

 

„Heute herrschen immer noch Hunger und Elend über unser Vaterland; drückt die Sorge um die materielle Existenz, um Nahrung, Kleidung, Wohnung, um Arbeitsplatz und Verdienstmöglichkeit jeden Tag mit einer fast nicht mehr zu ertragenden Zentnerlast. In dieser Zeit bedarf es mehr denn je eines engeren Kontaktes zwischen allen, denen der Fortbestand des kulturellen Lebens nicht gleichgültig ist.“

 

Ein unter diesen Verhältnissen fast unglaublicher Leistungswille trieb den Chor voran. Durch seine erfolgreichen Konzerte wurde er weit über die Grenzen Süchtelns hinaus bekannt. So wurde der MGV zu einem Rundfunkvorsingen in der Kaiser’s Tonhalle in Viersen am 15. Juni 1947 eingeladen. Gemeinschaftskonzerte wurden mit dem Quartettverein Sängerhain Mülheim und dem Niederrheinischen Doppelquartett 1929 Süchteln aufgeführt. Aus Anlass des 80jährigen Jubiläums des MGV „Sängerbund“ Anrath nahm der Chor am 25. Juli 1948 am Jubelkonzert teil.

Am 29. August 1948 übernahm der Fabrikant Theodor Borg aus Süchteln-Vorst das Protektorat von Peter Clemens für die Dauer von 25 Jahren bis zum 110jährigen Jubiläum des Vereins im Jahr 1963. Sein stetes Interesse und Wohlwollen für „seinen“ MGV, verbunden mit erheblichen finanziellen Zuwendungen, sicherten die weitere Steigerung der Leistungen des Vereins, wofür der MGV ihm zu großem Dank verpflichtet ist.

 

Die Stärke des Chors und das gute Stimmmaterial bewegten den Chorleiter, die musikalische Leitung nun in die Hände eines Mannes zu legen, dem man die gesangliche Weiterentwicklung zutraute. Am 4. Februar 1949 wurde der Münsterorganist und Musikdirektor Aloys Neschen aus Mönchengladbach als neuer Chorleiter in sein Amt eingeführt.  Am 18. April 1949 trat der neue Chorleiter beim Frühjahrskonzert erstmals mit dem MGV 1853 Süchteln-Vorst vor die Öffentlichkeit. Dem scheidenden Chorleiter Hermann Lücker wurde bei dieser Gelegenheit die Ehrenurkunde als Ehrendirigent aufgrund seiner großen Verdienste ausgehändigt.

 

Nach der Teilnahme am Sängerfest des Quartettvereins Lieferkranz 1869 Grefrath und an den Jubelfeierlichkeiten des MGV Liedertafel 1824 Dülken beteiligte sich der Chor am Sängerwettstreit in Menden (Sauerland) am 17. Juli 1949 nach vorheriger öffentlicher Generalprobe vor heimischem Publikum am 3. Juli im Saal Heinrich van Gerven. Der Verein sang in der 1. Landklasse und errang alle vier ersten Preise, sowie den Gesamtklassenpreis und den Dirigentenpreis.





Die Sänger des MGV 1853 Süchteln-Vorst nach der Erringung von 6 Siegespreisen in Menden.


Dreistädtebote vom 23.Juli 1949:








Die beim Wettstreit in Menden errungenen Preise.













Der Ehrenpreis der Stadt Menden
für die höchste Punktzahl im Hauptehrensingen.






Die in Menden erstrittene Ehrenurkunde.










Nach diesem grandiosen Erfolg bereitete die Heimatstadt dem MGV 1853 einen festlichen Empfang. Der damalige Bürgermeister Theodor Kreyenberg ehrte den Chor mit einer silbernen Stadtplakette mit der Inschrift: „Dem im Sängerwettstreit in Menden am 17. Juli 1949 sechsfach preisgekrönten MGV Süchteln-Vorst in dankbarer Anerkennung – die Stadt Süchteln.“




Umzug durch die Heimatstadt mit den Preisen.


Im gleichen Jahr hatte der Verein bereits am 29. Mai mit einem Liedvortrag bei der Einweihung des neuen Kindergartens St. Franziskus neben der „Notkirche“ mitgewirkt – ein freudiges Ereignis für die Sektion. Der Neubau, der mit sehr viel Eigenleistung in nur 2 ½ Monaten erstellt wurde, bot endlich genügend Raum für die wachsende Kinderzahl und löste die seit Kriegsende vorangegangenen Provisorien ab. Allerdings mussten die Einweihungsfeierlichkeiten wegen langanhaltenden Regens in die Kirche verlegt werden.

 

Die Kirche aber verfügte seit dem Vorjahr – was für den MGV auf Grund seiner musikalischen Mitgestaltung bei Messfeiern und anderen Anlässen von großer Bedeutung war, über eine Orgel. Der Volksmund nannte das Instrument „Speckorgel“, weil der Bau durch die Werkstatt Seifert in Kevelaer zum weitaus überwiegenden Teil nicht in Reichsmark, deren Wert von Tag zu Tag weiter schwand, sondern in Naturalien bezahlt wurde. Der wenige Wochen vor der Währungsreform am 21. Juni 1948 fällige Restkaufpreis hatte nur noch symbolischen Charakter.


 

 

 

 

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